Aktuelles

Feine Entenbrust zum Wohle des Rathauses

30.10.2016

 

Rosa gegarte Entenbrust, klassiche Musik und eine europapolitische Rede von David McAllister in historischem Ambiente: das sind die Zutaten zum 14. Krönungsmahl im Aachener Rathaus. Foto: Andreas Hermann/Aachener Nachrichten

Aachen. Es muss Februar oder März gewesen sein, als Daniel van Zijp erstmals vom Aachener Krönungsmahl gehört hat, denn „das war Inhalt seines Bewerbungsgesprächs“, verrät Quellenhof-Chef Walter Hubel, der den 37-jährigen van Zijp dann ab April dieses Jahres als neuen Chefkoch der Hotelgastronomie an der Monheimsallee einstellte. Und als solcher erlebte er am Sonntagabend beim 14. Krönungsmahl, das das Pullmann-Hotel gemeinsam mit dem Rathausverein als Erinnerung an die Königskrönung Karls V. 1520 in Aachen ausrichtet, seine Feuertaufe. Und die hat er bestanden.

Denn seinem Chef Walter Hubel, Festredner David McAllister, den Machern des Rathausvereins um Oberbürgermeister Marcel Philipp und dem zweiten Vorsitzenden Georg Helg sowie den rund 200 weiteren Gästen im Krönungssaal hat es ganz offensichtlich geschmeckt. „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, sagte van Zijp mit Blick auf die eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten im historischen Rathaus, aber auch er war mit dem lauwarmen Rauchforellenfilet, der rosa gegarten Entenbrust, dem auf der Haut gebratenen Zander sowie der Kokusnuss-Passionsfrucht-Schnitte plus vegetarischer Alternative sehr zufrieden. Zumindest habe er noch nicht gehört, dass es einem Gast nicht geschmeckt habe, sagte er zwischen Hauptgang und Dessert.

60 Mitarbeiter des Quellenhofs

„Natürlich profitiere ich von den Erfahrungen, die das Quellenhof-Team schon hat“, sagte Daniel van Zijp mit Blick auf seinen Chef Walter Hubel, der beim Krönungsmahl wieder rund 60 Mitarbeiter, von den Köchen über den Service bis hin zu den Fahrern, im Einsatz hatte. Seit dem ersten Krönungsmahl 2002 sorgt der Quellenhof für die Gastronomie, seit einigen Jahren ist er auch offiziell Ausrichter des Benefizessens zugunsten des Rathauses. Und das Hotel an der Monheimsallee wird es auch noch für mindestens drei weitere Jahre sein, wie Georg Helg als Moderator des Abends stolz verkündete, ein entsprechender Vertrag sei unterzeichnet.

So kann die Erfolgsgeschichte der Krönungsmahle weiter gehen, bei denen der Rathausverein seit 2002 – auch dank der Sponsoren Pro Idee, Babor, DSA und Showlight – insgesamt 1,33 Millionen Euro generiert hat, die er in die Sanierung des Rathauses gesteckt hat. „Allein in den Krönungssaal haben wir 695 000 Euro investiert“, berichtete Helg, „wenn man sich erinnert, wie es vor 14 Jahren hier ausgesehen hat, dann dürfen wir stolz auf das Geleistete sein.“ Das bislang letzte Projekt sei die neue Vitrine für die Reichsklein­odien gewesen, die sich der Verein 190 000 Euro hat kosten lassen, ein weiteres Projekt sei die Entwicklung der neuen Rathaus-App, so Helg, die bereits unter „Rathaus AC“ kostenlos herunterladbar ist.

Neben dem exquisiten Essen mit Weinbegleitung und jeweils rund 40 000 Euro für den Rathausverein gehört zu jedem Krönungsmahl auch eine europapolitische Rede, für die am Sonntagabend der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident und aktuelle Europa-Parlamentarier David McAllister verantwortlich zeichnete. Als Sohn eines Schotten und einer Deutschen sprach er zu den Folgen des Brexit für Deutschland und Europa, aber auch für das Vereinigte Königreich selbst. Fazit seiner rund 30-minütigen Festrede: Sie sind nicht vorhersehbar, denn der Vorgang eines Austritts aus der Europäischen Union sei ein „historisch einzigartiges Ereignis“, für das es keine Blaupause gebe.

„Ein Sprung ins Ungewisse“

„Die Briten sprechen selbst“, so McAllister, „von einem Sprung ins Ungewisse.“ Niemand wisse, was komme und was nach dem Brexit folge. „Es ist die komplizierteste politische Entscheidung der Menschheitsgeschichte“, zitierte er einen britischen Politiker, „nicht mehr und nicht weniger.“ Fest stehe, dass der Brexit das Vereinigte Königreich gespalten habe, „England und Wales waren für den Brexit, Nordirland und Schottland dagegen. Die Älteren waren dafür, die Jüngeren dagegen“, zählt er auf. „Je höher die Bildung, desto eher waren die Menschen für einen Verbleib in der EU.“ McAllister spricht daher von einem „Dis­united Kingdom“, von einem „Unvereinigten Königreich“.

Primäre Aufgabe der britischen Politik sei es deshalb, das Land wieder zu vereinen. Primäre Aufgabe Europas sei es hingegen, „Europa zu stärken und fit zu machen für die Zukunft“. Dazu sei eine kritische Selbstreflexion notwendig, denn sicherlich sei die EU nicht perfekt, „aber gerade für uns Deutsche ist sie der Garant für Sicherheit und Wohlstand“.

 

(mit freundlicher Genehmigung der Aachener Nachrichten)